Sendepause bis Juli
Mai 9th, 2012Vor dem Sommerloch kommt die Frühjahrsmüdigkeit. Auch bei Soziologen und Soziologinnen. Darum gehen wir jetzt in Frühjahresputzpause. Die nächste Podcastfolge hört Ihr dann wieder am 1. Juli.

Vor dem Sommerloch kommt die Frühjahrsmüdigkeit. Auch bei Soziologen und Soziologinnen. Darum gehen wir jetzt in Frühjahresputzpause. Die nächste Podcastfolge hört Ihr dann wieder am 1. Juli.


Mein sonntagssozialistischer sonntagssoziologischer Beitrag zum 1. Mai, dem Tag der Arbeit. Bob der Baumeister aus der gleichnahmigen Kinderserie ist ja selbständiger Unternehmer, immer tatkräftig und das ist auch gut so. Wikipedia schreibt:
Dabei stehen Konfliktauflösung, Teamarbeit, soziales Verhalten und verschiedene Lernfähigkeiten im Vordergrund. Die Vermittlung dieser Kompetenzen geschieht durch Geschichten vom Reparieren, Bauen, Baggern, Malern, Klempnern bis hin zum Gartenbau. Bob und sein Team sind immer zur Stelle, wenn sie gebraucht werden.
Bob vermittelt das sehr gut, er packt an, er organisiert, ruft er „Can we fix it?“, rufen alle zurück: „Yes we can!“, inclusive Obama. Doch nun zu meinem Problem: Was ist mit seinen anthropomorphen sprechenden Maschinen? Haben die eine Wahl? Schließlich sind die als Arbeitsmaschinen konstruiert. Können die der sprechende Bagger Buddel und der Betonmischer Mixie einfach auf Büroangestellte umschulen? Die Aussichten auf eine Arbeitsstelle wären doch ziemlich schlecht. Wie soll ein Bagger bei seiner Grobmotorik einen PC bedienen? In Folge 24 ” Wie kommt Bob da wieder runter?”, wird das Problem ab Minute 2:23 ganz offensichtlich, als der unter Höhenangst leidende Kran Heppo seinem Chef Bob einen Werkzeugkasten hinaufreichen soll. An der ganzen Karosserie zitternd wimmert er: “ich mag es doch nunmal nicht, wenn irgendwas so hoch oben ist.” In Minute 3:22 beginnt er sogar zu weinen. Eine Umschulung wäre hier wirklich angebracht. Doch was soll ein Kran anderes tun als Dinge hochheben? Er könnte vielleicht noch als Lastenzieher arbeiten, doch dafür gibt es weit qualifiziertere Mitbewerber auf dem Arbeitsmarkt.
Bob der Baumeister vermittelt pädagogisch vor allem eines: Max Webers These vom modernen Berufsmenschen, dessen ganze Existenz und Daseinssinn über seine Arbeit definiert wird.Zugleich werden Klassengegensätze verfestigt, du bist, was du bist, Prolet, daran kannst du nichts ändern! Könnte der Betonmischer Mixie selbst Unternehmer werden? Wohl kaum, er würde schließlich alles durcheinander schütteln. Nun könnte man entgegnen, es können halt nicht alle Menschen Unternehmer werden, manchne fehlt dazu einfach das Talent. Aber hier kann Mixie deshalb nicht Unternehmer werden, weil er duch sein ganzes Sein als Betonmischmaschine bereits durch und durch als Proletarier konzipiert ist. die gesellschaftliche Ausdifferenzierung der Arbeitsteilung ist in der Fernsehserie nicht nur in horizontal im Sinne “Ich mische Beton und du buddelst Löcher!” ins Extrem übersteigert, auch vertikal als “Ich bin Kapitalist und du Prolet” maximal determiniert.
Wie würde eine 1. Mai-Folge von Bob dem Baumeister aussehen? Bagger Buddel würde mit der roten Fahne wehen und zur gesellschaftlichen Umwäzung aufrufen mit: „Can we fix it?“ und alle riefen zurück: “Yes we can…but How and When?”
Die letzten zwei Folgen hatten wir es mit Max Weber zu tun, doch aller guten Weber sind drei. In der Sendereihe “Denker des Abendlandes” unterhalten sich der Physiker Harald Lesch und der Philosoph Wilhelm Vossenkuhl in leicht verständlicher Weise das geistige Erbe Europas. In diesem dreht es sich ab Minute 21:00 wiederum um Max Weber.

Soziologisches Hörhäppchen: Im Galopp durch Frühgeschichte der Soziologie: Darüber, was die Gesellschaft im Innersten zusammenhält. Von Aristoteles, Thomas Hobbes, Adam Smith, Karl Marx, Auguste Comte, Emilé Durkheim, Max Weber bis George Herbert Mead. Über Gesellschaft und Staatstheorie, Vernunft und Aufklärung, Rational Choice, Sozialphysik, Positivismus, Funktionalismus, Sozialisierung und kapitalistische Klassengesellschaft.
Musik unter Creative Commons Licence Walter Mazzaccaro: "Amadeus in Jazz" Kevin MacLeod: "Wallpaper" Introsprecher: Tobias Diakow


Wieso ist unser Lebenslauf so stark von Arbeit und Beruf geprägt? Führten die frühen Jäger- und Sammlerkulturen vielleicht ein angenehmeres Dasein als der moderne Berufsmensch? Warum werden arbeitslose Hartz 4 Empfänger und Obdachlose eines geringeren sozialen Status bedacht als mancher Kriminelle? Wieso befinden sich viele Menschen der Moderne und Postmoderne in einer Sinnkrise? Welche Rolle spielt dabei die Religion? Um diese Fragen zu beantworten, habe ich heute den Max-Weber-Experten Diego Compagna eingeladen. Denn in Webers soziologischem Klassiker finden wir eingie interessante Antworten. Der Soziologe, Jurist und Ökonom Max Weber (1864 – 1929), wurde mit seiner Schrift „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ zum Star weit über seine Fachgrenzen hinaus. Weber gehört zu den Gründungsvätern der Soziologie und seine Theorie zur Entstehungsgeschichte des modernen Kapitalismus zu jeder ordentlichen Allgemeinbildung auch von Nicht-Soziologen. In seinem Werk stellt Weber die These auf, dass die Eigenheit des Protestantismus, seine Schäfchen zu fleißiger und lustfeindlicher Arbeit anzuspornen, dem modernen Kapitalismus erst zur Blüte getrieben und den Typus des modernen Berufsmenschen herausgebildet hat.
Musik unter Creative Commons Licence Walter Mazzaccaro: "Amadeus in Jazz" Kevin MacLeod: "Wallpaper" Introsprecher: Tobias Diakow

Einstündiges Interview mit Niklas Luhmann über Systemtheorie:
Eigentlich wollte ich mich heute mit dem Soziologen Diego Compagna über Kapitalismus und Max Weber unterhalten. die Diskussion über die Spende eines Hörers, sprengte aber alle zeitlichen Schranken, so dass wir Herrn Weber auf nächste Woche vertrösten mussten. Denn die Frage ist doch: Wenn jemand meinem Blog etwas spendet, darf ich dann anderen Blogs ebenfalls etwas spenden? Ist es nicht so, dass ich dann lediglich das Geld weiterreiche und dies an einen Blog, dessen Inhalt mein Spender vielleicht sogar ablehnt?
Musik unter Creative Commons Licence Walter Mazzaccaro: "Amadeus in Jazz" Nelson Jenstad: "Penny Here, Penny There" Introsprecher: Tobias Diakow


Anhand von Gruselfilmen der Körperfresser- und Körperfresserinnen-Thematik (Die Dämonischen, Die Körperfresser kommen und The Invasion) diksutieren wir heute Nacht sozialkonstruktivistische und strukturdeterministische Ansätze der Soziologie. Als Gast ist wieder der Techniksoziologe Diego Compagna dabei. Wir sprechen über Identität, fragen, was uns als Menschen ausmacht, Glück oder Sinn? Wir reden über Gefühle (auch das muss manchmal sein), über Ervin Goffman und Rollentheorie, über Strukturfunktionalismus über die Funktion von Kriminellen und Gefängnissen in unserer Gesellschaft nach Emile Durkheim.
Musik unter Creative Commons License Walter Mazzaccaro "Amadeus in Jazz" Renadi Santoso, Marion von Tilzer, Hans van Eck und Mark van Kempen: "Wondering" Introsprecher: Tobias Diakow


Der Film “The Watchmen – Die Wächter” (2009) Trailer >> wirft die Frage nach Gut und Böse auf, denn unklar bleibt, wer ist hier Schurke, wer ist Held? Dies versuchen wir zu klären, mit ein bisschen Psychologie und ein bißchen Immanuel Kant. Außerdem sprechen wir über Tachyonenstrahlen und ein Zeitreiseparadoxon.
Musik unter Creative Commons License Walter Mazzaccaro "Amadeus in Jazz" Introsprecher: Tobias Diakow


Im dritten und letzten Teil meines Interviews mit dem Netzwerkforscher Dr. Lothar Krempel unterhalten wir uns noch einmal über soziale Netzwerke, Facebook, Datenschutz und die Piratenpartei.
Musik unter Creative Commons License Walter Mazzaccaro "Amadeus in Jazz" Agnus "Brasileira" Introsprecher: Tobias Diakow
