Archive for the 'Soziologie' Category

Was sind soziale Netzwerke?

Sonntag, Januar 29th, 2012

Jeder spricht bei Facebook & Co von sozialen Netzwerken und einige Firmen sperren sie sogar für ihre Mitarbeiter. Ich frage den Soziologen Dr. Lothar Krempel, was das eigentlich sind, soziale Netzwerke? Wir sprechen über Soziometrie, Kleingruppenforschung und über Revolutionen durch Facebook. Lothar Krempel ist Wissenschaftler am Max Planck Institut für Sozialforschung Köln (MPIfS) und Dozent an den Universitäten Köln und Duisburg-Essen. Sein Spezialgebiet sind soziale Netzwerke und er gehört zu den international renomiertesten Experten in Fragen der Netzwerkvisualisierung.

Musik unter Creative Commons License
Walter Mazzaccaro "Amadeus in Jazz"
Agnus "Brasileira"
Introsprecher: Tobias Diakow

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Frankenstein (Teil 3): Soziologie des Monsters

Sonntag, Januar 22nd, 2012

Soziologie des Monsters: In dieser letzten Folge unserer Frankenstein-Reihe diskutieren wir die Soziologie des Monsters. Was ist ein Monster? Was ist die soziale Funktion eines Monsters und gilt die auch für das Krümelmonster aus der Seesamstraße? Außerdem sprechen wir darüber, welche Entwicklung Zombies in der Filmgeschichte genommen haben. Wieder mit dabei, die Soziologen Claudia Muhl und Diego Compagna. Wir erklären auch noch einmal, was ein Horrorfilm ist und wie sich nach Sigmund Freud das Unheimliche definiert. Dazu gucken wir auch kurz ins Unterbewusstsein.  Nach den intellektuell anstrengenden letzten Wochen auf meiner abgelegenen Spukvilla, sind wir alle etwas erschöpft und brauchen einen monstermäßigen Kaffee …

Hinweis: der soziobloge.NET ist in Zukunft unter Soziologe.DE zu erreichen.

Links:

Musik unter Creative Commons License
Walter Mazzaccaro "Amadeus in Jazz"
Kevin MacLeod "Kool Kats"
Introsprecher: Tobias Diakow
Romanleser: Vorleser.net

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Frankenstein (Teil 2): Die Botschaft heute

Sonntag, Januar 15th, 2012

Frankenstein heute: Wie Mary Shelley’s Roman Dr. Frankenstein aus dem Jahre 1818 in jene Zeit einzugliedern sei, darüber unterhielt ich mich mit den Techniksoziologen Claudia Muhl und Diego Compagna uns in der letzten Episode. Heute diskutieren wir, was uns die Frankenstein-Geschichte heute noch zu sagen hat. Handelt es sich um eine Warnung vor der entfesselten Wissenschaft oder um eine Dokumentation von Rassismus?

Musik unter Creative Commons License
Walter Mazzaccaro "Amadeus in Jazz"
Kevin MacLeod "Kool Kats"
Introsprecher: Tobias Diakow
Romanleser: Vorleser.net

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Frankenstein (Teil 1): Historische Perspektive

Montag, Januar 9th, 2012

Der Roman Frankenstein (1818) von Mary Shelley (1797 – 1851) wurde als Klassiker des Horror-Genres unzählige Male verfilmt und stellt uns immer noch aktuelle Fragen: Was ist der Mensch und was darf er? Wo liegen die ethischen Grenzen der Wissenschaft? Was ist eigentlich ein Monster? Wer ist der Mad Scientist? Diese und weitere Fragen bespreche ich in den kommenden drei Folgen mit meinen Gästen, den Techniksoziologen Claudia Muhl und Diego Compagna. Heute beginnen wir damit, einen Blick auf die historische Epoche zu werfen, in der Mary Shelley ihren Roman veröffentlichte.

Claudia Muhl untersucht als Techniksoziologin an der Universität Bielefeld die Interaktion zwischen Mensch und Roboter. Außerdem beschäftigt sie sich mit der Darstellung von Wissenschaft im Film. www.claudia-muhl.de

Diego Compagna forscht an der Universität Duisburg-Essen auf dem Gebiet der Technikfolgeabschätzung und Online-Spiele-Communities. Webseite

Als Hörbuch könnt Ihr euch den Frankenstein-Roman hier kostenlos bei Vorleser.net herunterladen.

Musik unter Creative Commons License
Walter Mazzaccaro "Amadeus in Jazz"
Kevin MacLeod "Kool Kats"
Introsprecher: Tobias Diakow
Romanleser: Vorleser.net


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Sex and the City

Samstag, Dezember 17th, 2011

Unmöglich diese Stadtfrolleins! Hörerinnen des Podcasts sind freilich ausgenommen, aber alle anderen … unmöglich … echt! “eine geschiedene Frau: eine Frau, die geheiratet hat, um nicht mehr arbeiten zu müssen, und jetzt arbeitet um nicht mehr heiraten zu müssen.” (Anna Magnani)

Podcast-Transkript:

Willkommen beim Stadtsoziologen!

Ich habs doch gewusst. Da habe ich neulich eine Studie entdeckt, schon etwas älter, ungefähr 10 Jahre, aber das macht in diesem Fall nichts. In der haben amerikanische Forscher die Kontaktanzeigen in Tageszeitungen von großen und kleinen Städten nebeneinandergestellt. Und was fanden sie heraus? In kleinen Städtchen suchen Frauen noch echte Freundschaften und langfristige Beziehungen. In großen Städten dagegen suchen die Frolleins „vermögende Partner“ und „feste Finanzen“. Naja, meine Finanzen sind auch fest und zwar so fest, dass ich sie gar nicht bewegen kann.

Den Grund sehen die einen Forscher darin, dass in großen Städten mehr reiche Männer herumlaufen und dadurch die Frauen erst auf die Idee kommen, sich einen von den Reichen zu angeln. Die anderen vermuten, dass die Überschwemmung der Großstädte mit reichen Männern paarungswillige Geldsuchfrauen in die Stadt hineinzieht.

Wie auch immer. Ich jedenfalls verlege meine Rendezvous nur noch aufs Land. (Quelllinks: 1)

 

Musik: Kevin MacLeod: "One Sly Move" (CC-License) /
Psycherotique: "Süchtig" (CC-License von Jamendo)
Victor Sethy: "Have you met miss jones"
(CC-License von Jamendo)

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Nr.58 Stress im Stadtleben

Montag, Dezember 5th, 2011

Amygdala

Heute vergleichen wir die Gehirne von Land- und Stadtmenschen.1:0 für die Landeier.

Willkommen beim Stadtsoziologen!

Wer in der Stadt lebt, hat ein anderes Gehirn. Studien haben ja längst bewiesen: Stadtmenschen bekommen eher eine Meise und Depressionen als Landeier. Bisher wusste aber niemand, wie genau das im Kopf abläuft. Das ist auch kein Wunder, sind doch viele Stadtforscher selbst Großstädter. Aber jetzt gibt es eine neue Studie aus Mannheim, dort haben Forscher in einem Experiment Studenten mit einem Stresstest gequält und die Gehirnströme gemessen.

Dabei kamen sie zu 2 Ergebnissen:

  1. Wer in einer Stadt lebt, bei dem spielte die Amygdala verrückt. Das ist der Gehirnteil, den uns der liebe Gott eingebaut hat, damit wir Gefühle und Depressionen bekommen können. Wenn sie elektrisiert ist, werden wir auch gewaltbereiter. Vielleicht eine Erklärung für die erhöhte Gewaltbereitschaft in der Großstadt.
  2. Wer in einer Stadt aufwächst, hat einen besonders aktiven – Ihr werdet es bereits vermuten – Perigenualen Anterioren Cingulären Cortex im Lymbischen System. Wenn der überaktiv ist, laufen wir ebenfalls Gefahr, durchzudrehen.

Je größer die Stadt, in der man aufwächst, desto aktiver ist auch die Amygdala. Und je länger die Kindheit in der Stadt, desto höher die Aktivität des Perigenuale Anteriore Cinguläre Cortex.

Düstere Aussichte für die Welt. Schon heute leben 69% der Menschen in Städten. Die Erkenntnisse will man nun in der Stadtplanung berücksichtigen. Denkt mal drüber nach, wie könnte man die psychologische Studie bei der Stadtplanung berücksichtigen? Tja, bis Ihr dafür Ideen habt, bleibt es mir nur Friedrich Dürrenmatt gleichzutun: Stecke mehr Zeit in deine Arbeit als Arbeit in deine Zeit.

 

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Nr.57 Eherollen und Netzwerke

Montag, November 28th, 2011

Heute stelle ich Elisabet Botts klassische Studie zur Rollenverteilung in der Ehe vor. Sie untersuchte in den 60er Jahren mittels sozialer Netzwerkanalyse die Bedingungen für ausgeprägtes und nicht ausgeprägtes traditionelles Rollenverhalten von Eheleuten. Ob das für euch heute noch eine Rolle spielt?

Transkritp:

Das bisschen Haushalt macht sich von allein. Sonst hätte ich ja auch keine Zeit zum Podcasten. Und damit Willkommen beim Stadtsoziologen! Das beste Rezept für eine lange Ehe sind nach wie vor getrennte Wohnungen. Ansonsten kommt es nämlich oft zur Rollenverteilung. Früher vielleicht mehr als heute. In den 60ern gab es eine berühmte Studie über Stadtfamilien von Elisabet Bott. Die wollte herausfinden, wie es zu Rollenaufteilungen im Haushalt kommt und sie war verwundert, dass sie da erstmal keinen Zusammenhang zwischen Klassen, Bildungsniveau, schichten usw. fand. Daraufhin schaute sie sich die Netzwerke der Paare an und tatsächlich, sie fand einen Zusammenhang zwischen Rollenverhalten und der Einbindung der Eheleute in soziale Netzwerke. Je enger und dichter das Netzwerk, desto klassischer waren auch die Rollen in der Ehe verteilt. Der Grund: In geschlossenen Netzwerken gibt es nix Privates. Jeder kennt jeden und jeder hat dieselben Werte und wer dagegen verstößt, wird sozial geächtet. In engen Netzwerken können die klassischen Rollentraditionen also viel besser durchgesetzt werden. Ihr erinnert euch an die Folge über Simmels Kreise? Da hatten wir das gleiche, die loseren Netzwerke erst ermöglichen Individualität. Und das gibt’s nur in der Stadt, nicht auf dem Land.Die ganz engen Netzwerke gibt es vor allem dann, wenn die Eheleute am Ort wohnen bleiben. Klar, je öfter man umzieht, desto loser wird auch das Netzwerk. Bekommt die Frau dann Kinder, beginnt sich ihr soziales Netz zu verändern. Hatte sie bislang mehr Kontakt zu ihren Freundinnen, hält dann mehr Kontakte zu ihrer Mutter und weiblichen Verwandten. Der Mann wird immer mehr aus dem sozialen Netz isoliert und hängt nun vor allem mit Arbeitskollegen und Fußballfreunden herum. Sein Leben dreht sich dann um Arbeit und Freizeit und das Leben der Frau um Haushalt, Kinder und Verwandte. War das Paar vor dem Kinderkriegen weggezogen, ist das nicht ganz so stark. Denn das weibliche Familiennetz der frau ist ja nicht da und das Netz der alten Schulfreunde des Mannes ebenfalls nicht. Das führt dazu, dass sich auch das Rollenverhalten nicht so stark ausprägt.

Rollenverteilung ist auch eine ökonomische Sache. Es ist am Effektivsten, wenn jeder das tut, was er kann. Und wenn die Frau nähen und der Mann heimwerken beigebracht bekamen, ist es das ökonomischste, die Arbeiten so beizubehalten. Für die Emanzipation ist es also sinnvoll, diese Hauswirtschaftslehren aus der Frauenbildung herauszunehmen. Führt aber dazu, dass kulturelles Wissen verloren geht. Ja, Oma wusste noch, wie man einkocht.

 Seit Botts Studie hat sich der Familienbegriff schon geändert. Familie ist heute nicht mehr die Kernfamilie Mutter Vater Kind, sondern wird definiert als Gemeinschaft mit starken Bindungen, die generationsübergreifend sind. Aktuelle Untersuchungen finden diesen Zusammenhang zwischen Netzwerk und Rollenverteilungen nicht mehr. Der Grund: Die modernen Netzwerke erfüllen heute andere Zwecke als früher. Früher war das Netzwerk dazu da, um Normen und Werte zu vermitteln. Und dazu gehörten auch die Eherollen. Heute ist es dagegen so, dass sich Eheleute ihre Netzwerke selber erschaffen. Nicht mehr das Netzwerk kreiert die Ehe, sondern die Ehe kreiert sich ihr individuell passendes Netzwerk. Und wenn heutzutage ein rollenbewusster Mann zu seiner Frau sagt,  “Schatz, ich mache dich zur glücklichsten Frau der ganzen Welt!”, dann passiert es sehr leicht, dass sie antwortet: “Ich werde dich vermissen.”

(Quellen: Bott, E. (1956). Urban families: The norms of conjugal roles. Human Relations)

Musik: Kevin MacLeod: "One Sly Move";
"Mister Exposition" (CC-License) /
Psycherotique: "Süchtig" (CC-License von Jamendo)

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Georg Simmel und die Philosophie des Geldes

Freitag, November 11th, 2011

Die Stadt ist der Ort der Rationalität und deshalb wird sie auch zum Ort des Geldes … komisch, dass ich als Großstädter nie welches hab’ … ;)

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Nr.53 Georg Simmel – Kreuzung sozialer Kreise

Montag, Oktober 24th, 2011

 (Bild: freedigitalphotos.net)

Wie Individualität entsteht: Individualität konnte nur in der Stadt entstehen, nicht auf dem Land. Dies behauptet jedenfalls der Gründungsvater der Stadtsoziologie, Georg Simmel (1858-1918) in seinem Aufsatz  “Die Großstädte und das Geistesleben” (1903).  “Ausnahmen sind nicht immer Bestätigung der alten Regel; sie können auch die Vorboten einer neuen Regel sein. (Marie v.Ebner-Eschenbach)

Podcast-Transkript:

Hallo beim Stadtsoziologen.

Aus wie vielen Kreisen besteht Ihr eigentlich? Na? Bevor Ihr jetzt ruft, bei dem kreist‘s wohl auch im Kopf, gebt mir ‚ ne Chance. Vom Soziologen Georg Simmel habt Ihr ja schon in den allerersten Folgen gehört. Der beginnt seinen Gedanken damit, dass es vor den Städten erstmal Dörfer gab. Da lebten drin? Richtig, Dorfmenschen. – So unter uns Großstädtern, wer nicht weiss, was das ist, das sind diese sagenumwobenen Wesen ganz weit draußen, so im Wald und so. Ja doch, die soll es wirklich geben! Hab ich selbst gehört! Jedenfalls wuchs ein Dorfkind damals im Kreis seiner Familie auf. Innerhalb ihres Familienkreises sind die Menschen in der Regel recht gleich. Das was einen Menschen prägt, ist für jedes Mitglied der Dorffamilie gleich: Erziehung, Geschwister, Verwandte. Jeder steckt im selben sozialen Netz wie der andere.  Wird das Dorfkind größer, betritt es den Kreis der Dorfgemeinschaft. Den kann man um den Familienkreis drumrum zeichnen.  Und auch hier sind sich die sozialen Netzwerke wieder alle ähnlich. Und entsprechend prägen sie auch das ganze Dorf ähnlich. Das heißt, auch im Dorf, sind irgendwie alle gleich. Der nächsthöhere Kreis ist der Nationalkreis. Auch hier ähneln sich die Menschen wieder: der typische Deutsche, der typische Franzose … Irgendwann wuchsen Städte. Und die Kreise teilten sich plötzlich in unabhängige Netzwerke auf. Da gibt es den Kreis des Unternehmens mit den Arbeitskollegen und der überlagert sich nicht mit dem Kreis der Familie und dem des Sportvereins. Die Leute, die man im Sportverein trifft, sind andere als die in der Familie und die im Büro.  Im Dorf war das noch alles eins. Jeder kannte jeden, es gab keine getrennten Kreise.  So steckt der moderne Mensch plötzlich in vielen unterschiedlichen sozialen Netzwerken drin und jedes Netzwerk prägt ihn. Der eine Steckt im Fußballverein, in der Werkstatt und in der Familie, der andere steckt im Büro, im Kunstverein und im Singleclub. Früher im Dorf steckten noch alle in der Familie, auf dem Feld, in der Kirche.  Weil sich nun die Netzwerke, in denen sich die Stadtmenschen befinden, für jeden Stadtmenschen andere sind, wird jeder Stadtmensch unterschiedlich geprägt.  Und jetzt kommts: Und weil die Kreise den Menschen unterschiedlich prägen, ist Individualität ein Produkt der modernen Stadt. Wie ist das eigentlich im Internet? Da stecken doch auch wieder alle in denselben sozialen Netzwerkkreisen.  Darüber kann ich leider nicht länger nachdenken, von den ganzen Kreisen wird mir immer so schwindelig.

Musik: Kevin MacLeod: "One Sly Move" ( CC-License) /
Psycherotique: "Süchtig" ( CC-License von Jamendo)

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Nr.52 Max Weber – Drei Stadttypen

Montag, Oktober 17th, 2011

Der Soziologe, Jurist und Ökonom Max Weber (1864 – 1920) hat sich Gedanken über die Stadt gemacht. Wann ist eine Stadt eine Stadt? Auch wenn viele Soziologen seine Typologie auch kritisieren, so bleibt sie doch ein Standartwerk der Stadtsoziologie.

Podcast-Transkript:

Hallo beim Stadtsoziologen!

Eigentlich müsste ich ja mit euch schimpfen. Da machen wir jetzt schon ein paar Folgen Stadt und worüber haben wir noch gar nicht gesprochen? Na was eine Stadt überhaupt ist. Die Sitzenbleiber unter Euch werden jetzt rufen: Was? Viele Häuser, noch mehr Häuser nebeneinander. Das ist Stadt. Dürfen wir jetzt gehen? Nein dürft Ihr noch nicht! Denn wer sowas sagt, ist einer von denen, die meinen, es käme im Leben immer auf die Größe an. So eine Einstellung, die lehnen wir ja schon moralisch ab! Immerhin gab ja im Mittelalter Dörfer, die waren größer als Städte. Nene darüber müssen wir nochmal nachdenken … lassen … das hat nämlich schon vor hundert Jahren unser aller soziologischer Übervater und Miterfinder der Soziologie Max Weber getan. Für Städte hatte der sich deshalb interessiert, weil er den Ursachen des Kapitalismus auf die Spur kommen wollte. Also er war kein Stadtsoziologe in dem Sinne. Ja? Er hatte ja auch keinen Stadtpodcast.

Jedenfalls hatte sich Weber gesagt: Offenbar lebt man in der Stadt nicht hauptberuflich vom Gemüse. Man brauchts aber zum Essen. Also muss man sich das Gemüse auf dem Markt kaufen. Ergo, ist jede Stadt erst einmal durch einen Markt definiert: Typischerweise gibt es drei ökonomische Stadttypen:

  1. Die Konsumentenstadt: in einer Konsumentenstadt gibt es einen wichtigen Einkäufertypus, der auf dem Markt einkauft, ohne den die Stadt nicht leben könnte. Das kann ein Fürst sein, der über den Markt seinen Hofstaat versorgt oder Beamte, die in der Stadt wohnen, Ihr Geld aber vom Staat kriegen und auf dem Markt wieder verpulvern. Wiesbaden war so ein Konsumentenstadttyp.
  2. Typ, Die Produzentenstadt: Hier gibt’s Fabriken, die über den Stadtmarkt ihre Waren nach Außerhalb verkaufen. Städte im Ruhrgebiet gehören zu diesem Typen, Essen, Bochum.
  3. Typ: die Händlerstadt. Der Markt dient nur als Umschlagplatz für Waren. Das ist ganz typisch für Hafenstädte.

Außerdem muss eine Stadt auch eine gewisse politische Selbständigkeit haben. Ein eigenes Gericht, eine eigene Stadtwache. Eine eigene Behörde, die den Markt regelt, z.B. über Stadtsteuern. Auch hat eine Stadt hat eine feste juristische Stadtgrenze, während die Dorfgrenzen schwammig waren. Dort ist der Wald, dort ein Feld, wo fängts an, wo hörts auf, püh, das weiß keiner.

Tja, und nun? Wir haben 5 Punkte: Größe, Nichtlandwirtschaftlichkeit, Markt, Administration, Stadtgrenze. Aber 90 Jahre später in der Stadtforschung ist man immer noch nicht schlauer als Weber. Man streitet sich immer noch, was eine Stadt ist.  Vor allem wird Webers starker Fokus auf die Ökonomie kritisiert. Und was meint Ihr? Kann man Stadt noch anders definieren als über Ökonomie? Aber behaltet es bitte für euch, nicht, dass ich plötzlich feststelle, ich wohne doch gar nicht in einer Stadt.

Musik: Kevin MacLeod: "One Sly Move" ( CC-License) /
Marian Badoi: "La Valse de Marian" (CC-License) /
Psycherotique: "Süchtig" ( CC-License von Jamendo)

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