Archive for the '— Wirtschaft' Category

Bob der Baumeister und der moderne Kapitalismus

Dienstag, Mai 1st, 2012

Mein sonntagssozialistischer sonntagssoziologischer Beitrag zum 1. Mai, dem Tag der Arbeit. Bob der Baumeister aus der gleichnahmigen Kinderserie ist ja selbständiger Unternehmer, immer tatkräftig und das ist auch gut so. Wikipedia schreibt:

Dabei stehen Konfliktauflösung, Teamarbeit, soziales Verhalten und verschiedene Lernfähigkeiten im Vordergrund. Die Vermittlung dieser Kompetenzen geschieht durch Geschichten vom Reparieren, Bauen, Baggern, Malern, Klempnern bis hin zum Gartenbau. Bob und sein Team sind immer zur Stelle, wenn sie gebraucht werden.

Bob vermittelt das sehr gut, er packt an, er organisiert, ruft er „Can we fix it?“, rufen alle zurück: „Yes we can!“, inclusive Obama. Doch nun zu meinem Problem: Was ist mit seinen anthropomorphen sprechenden Maschinen? Haben die eine Wahl? Schließlich sind die als Arbeitsmaschinen konstruiert. Können die der sprechende Bagger Buddel und der Betonmischer Mixie einfach auf Büroangestellte umschulen? Die Aussichten auf eine Arbeitsstelle wären doch ziemlich schlecht. Wie soll ein Bagger bei seiner Grobmotorik einen PC bedienen? In Folge 24 ” Wie kommt Bob da wieder runter?”, wird das Problem ab Minute 2:23 ganz offensichtlich, als der unter Höhenangst leidende Kran Heppo seinem Chef Bob einen Werkzeugkasten hinaufreichen soll. An der ganzen Karosserie zitternd wimmert er: “ich mag es doch nunmal nicht, wenn irgendwas so hoch oben ist.” In Minute 3:22 beginnt er sogar zu weinen. Eine Umschulung wäre hier wirklich angebracht. Doch was soll ein Kran anderes tun als Dinge hochheben? Er könnte vielleicht noch als Lastenzieher arbeiten, doch dafür gibt es weit qualifiziertere Mitbewerber auf dem Arbeitsmarkt.

Bob der Baumeister vermittelt pädagogisch vor allem eines: Max Webers These vom modernen Berufsmenschen, dessen ganze Existenz und Daseinssinn über seine Arbeit definiert wird.Zugleich werden Klassengegensätze verfestigt, du bist, was du bist, Prolet, daran kannst du nichts ändern! Könnte der Betonmischer Mixie selbst Unternehmer werden? Wohl kaum, er würde schließlich alles durcheinander schütteln. Nun könnte man entgegnen, es können halt nicht alle Menschen Unternehmer werden, manchne fehlt dazu einfach das Talent. Aber hier kann Mixie deshalb nicht Unternehmer werden, weil er duch sein ganzes Sein als Betonmischmaschine bereits durch und durch als Proletarier konzipiert ist. die gesellschaftliche Ausdifferenzierung der Arbeitsteilung ist in der Fernsehserie nicht nur in horizontal im Sinne “Ich mische Beton und du buddelst Löcher!” ins Extrem übersteigert, auch vertikal als “Ich bin Kapitalist und du Prolet” maximal determiniert.

Wie würde eine 1. Mai-Folge von Bob dem Baumeister aussehen? Bagger Buddel würde mit der roten Fahne wehen und zur gesellschaftlichen Umwäzung aufrufen mit: „Can we fix it?“ und alle riefen zurück: “Yes we can…but How and When?”

flattr this!

Darwin, Freud und Max Weber

Samstag, April 21st, 2012

Die letzten zwei Folgen hatten wir es mit Max Weber zu tun, doch aller guten Weber sind drei. In der Sendereihe “Denker des Abendlandes” unterhalten sich der Physiker Harald Lesch und der Philosoph Wilhelm Vossenkuhl in leicht verständlicher Weise das geistige Erbe Europas. In diesem dreht es sich ab Minute 21:00 wiederum um Max Weber.

flattr this!

Max Weber – Kapitalismus und protestantische Ethik

Freitag, März 23rd, 2012

Wieso ist unser Lebenslauf so stark von Arbeit und Beruf geprägt? Führten die frühen Jäger- und Sammlerkulturen vielleicht ein angenehmeres Dasein als der moderne Berufsmensch? Warum werden arbeitslose Hartz 4 Empfänger und Obdachlose eines geringeren sozialen Status bedacht als mancher Kriminelle? Wieso befinden sich viele Menschen der Moderne und Postmoderne in einer Sinnkrise? Welche Rolle spielt dabei die Religion? Um diese Fragen zu beantworten, habe ich heute den Max-Weber-Experten Diego Compagna eingeladen. Denn in Webers soziologischem Klassiker finden wir eingie interessante Antworten. Der Soziologe, Jurist und Ökonom Max Weber (1864 – 1929), wurde mit seiner Schrift „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ zum Star weit über seine Fachgrenzen hinaus. Weber gehört zu den Gründungsvätern der Soziologie und seine Theorie zur Entstehungsgeschichte des modernen Kapitalismus zu jeder ordentlichen Allgemeinbildung auch von Nicht-Soziologen. In seinem Werk stellt Weber die These auf, dass die Eigenheit des Protestantismus, seine Schäfchen zu fleißiger und lustfeindlicher Arbeit anzuspornen, dem modernen Kapitalismus erst zur Blüte getrieben und den Typus des modernen Berufsmenschen herausgebildet hat.

Musik unter Creative Commons Licence
Walter Mazzaccaro: "Amadeus in Jazz"
Kevin MacLeod: "Wallpaper"
Introsprecher: Tobias Diakow

flattr this!

Das Blog-Spenden-Dilemma

Samstag, März 3rd, 2012

Eigentlich wollte ich mich heute mit dem Soziologen Diego Compagna über Kapitalismus und Max Weber unterhalten. die Diskussion über die Spende eines Hörers, sprengte aber alle zeitlichen Schranken, so dass wir Herrn Weber auf nächste Woche vertrösten mussten. Denn die Frage ist doch: Wenn jemand meinem Blog etwas spendet, darf ich dann anderen Blogs ebenfalls etwas spenden? Ist es nicht so, dass ich dann lediglich das Geld weiterreiche und dies an einen Blog, dessen Inhalt mein Spender vielleicht sogar ablehnt?

Musik unter Creative Commons Licence
Walter Mazzaccaro: "Amadeus in Jazz"
Nelson Jenstad: "Penny Here, Penny There"
Introsprecher: Tobias Diakow

flattr this!

Georg Simmel und die Philosophie des Geldes

Freitag, November 11th, 2011

Die Stadt ist der Ort der Rationalität und deshalb wird sie auch zum Ort des Geldes … komisch, dass ich als Großstädter nie welches hab’ … ;)

flattr this!

Nr.52 Max Weber – Drei Stadttypen

Montag, Oktober 17th, 2011

Der Soziologe, Jurist und Ökonom Max Weber (1864 – 1920) hat sich Gedanken über die Stadt gemacht. Wann ist eine Stadt eine Stadt? Auch wenn viele Soziologen seine Typologie auch kritisieren, so bleibt sie doch ein Standartwerk der Stadtsoziologie.

Podcast-Transkript:

Hallo beim Stadtsoziologen!

Eigentlich müsste ich ja mit euch schimpfen. Da machen wir jetzt schon ein paar Folgen Stadt und worüber haben wir noch gar nicht gesprochen? Na was eine Stadt überhaupt ist. Die Sitzenbleiber unter Euch werden jetzt rufen: Was? Viele Häuser, noch mehr Häuser nebeneinander. Das ist Stadt. Dürfen wir jetzt gehen? Nein dürft Ihr noch nicht! Denn wer sowas sagt, ist einer von denen, die meinen, es käme im Leben immer auf die Größe an. So eine Einstellung, die lehnen wir ja schon moralisch ab! Immerhin gab ja im Mittelalter Dörfer, die waren größer als Städte. Nene darüber müssen wir nochmal nachdenken … lassen … das hat nämlich schon vor hundert Jahren unser aller soziologischer Übervater und Miterfinder der Soziologie Max Weber getan. Für Städte hatte der sich deshalb interessiert, weil er den Ursachen des Kapitalismus auf die Spur kommen wollte. Also er war kein Stadtsoziologe in dem Sinne. Ja? Er hatte ja auch keinen Stadtpodcast.

Jedenfalls hatte sich Weber gesagt: Offenbar lebt man in der Stadt nicht hauptberuflich vom Gemüse. Man brauchts aber zum Essen. Also muss man sich das Gemüse auf dem Markt kaufen. Ergo, ist jede Stadt erst einmal durch einen Markt definiert: Typischerweise gibt es drei ökonomische Stadttypen:

  1. Die Konsumentenstadt: in einer Konsumentenstadt gibt es einen wichtigen Einkäufertypus, der auf dem Markt einkauft, ohne den die Stadt nicht leben könnte. Das kann ein Fürst sein, der über den Markt seinen Hofstaat versorgt oder Beamte, die in der Stadt wohnen, Ihr Geld aber vom Staat kriegen und auf dem Markt wieder verpulvern. Wiesbaden war so ein Konsumentenstadttyp.
  2. Typ, Die Produzentenstadt: Hier gibt’s Fabriken, die über den Stadtmarkt ihre Waren nach Außerhalb verkaufen. Städte im Ruhrgebiet gehören zu diesem Typen, Essen, Bochum.
  3. Typ: die Händlerstadt. Der Markt dient nur als Umschlagplatz für Waren. Das ist ganz typisch für Hafenstädte.

Außerdem muss eine Stadt auch eine gewisse politische Selbständigkeit haben. Ein eigenes Gericht, eine eigene Stadtwache. Eine eigene Behörde, die den Markt regelt, z.B. über Stadtsteuern. Auch hat eine Stadt hat eine feste juristische Stadtgrenze, während die Dorfgrenzen schwammig waren. Dort ist der Wald, dort ein Feld, wo fängts an, wo hörts auf, püh, das weiß keiner.

Tja, und nun? Wir haben 5 Punkte: Größe, Nichtlandwirtschaftlichkeit, Markt, Administration, Stadtgrenze. Aber 90 Jahre später in der Stadtforschung ist man immer noch nicht schlauer als Weber. Man streitet sich immer noch, was eine Stadt ist.  Vor allem wird Webers starker Fokus auf die Ökonomie kritisiert. Und was meint Ihr? Kann man Stadt noch anders definieren als über Ökonomie? Aber behaltet es bitte für euch, nicht, dass ich plötzlich feststelle, ich wohne doch gar nicht in einer Stadt.

Musik: Kevin MacLeod: "One Sly Move" ( CC-License) /
Marian Badoi: "La Valse de Marian" (CC-License) /
Psycherotique: "Süchtig" ( CC-License von Jamendo)

flattr this!

Die Paretoverteilung

Mittwoch, Oktober 29th, 2008

Der Sonntagssoziologe erklärt die Welt: Weniger macht mehr. Die Paretoverteilung nach Vilfredo Pareto (1848-1923) gehört zu einem verrückten Phänomen der Ökonomie. Das Paretoprinzip findet Beachtung in Fragen der Volkswirtschaft, wird bei Unternehmensentscheidungen herangezogen und vermag richtig angewendet angeblich den persönlichen Erfolg zu steigern. Auch in der Liebe, wie der Sonntagssoziologe herausfand.

Mitwirkende Sprecher: Tobias Diakow, Helmut Buschbeck, Tabitha Hammer, Dirk Näher

flattr this!

Das Peterprinzip

Mittwoch, Oktober 1st, 2008

Der Sonntagssoziologe erklärt die Welt:  Das Peterprinzip – Warum es in Hierarchien so viel Inkompetenz gibt. Warum scheitert jede Hierarchie früher oder später an der Unfähigkeit ihrer Mitglieder? Warum gibt es im Management so viele Fehlentscheidungen? Warum versagt unser Schulsystem? Laurence J. Peter (1919-1990) entwickelte die Hierarchologie, die Wissenschaft von der Unfähigkeit in Organisationen, Unternehmen, Universitäten, Schulsystemen, Militär und Politik. Das Peterprinzip nimmt mit seinem ironischen Unterton in den Sozialwissenschaften einen außergewöhnlichen Stellenwert ein. Der Sonntags-Soziologe beadankt sich bei Ronny Richter für die Anregung. Texteinsprecher:

Mitwirkende Sprecher: Tobias Diakow

flattr this!

Erfolgsnetzwerke

Mittwoch, August 6th, 2008

Der Sonntagssoziologe erklärt die Welt:  Die Geheimen Sozialstrukturen erfolgreicher Manager. Erfolg im Beruf hat nicht nur mit Können und Charisma zu tun. Soziale Netzwerke sind für den Berufserfolg genauso wichtig wie, Vorstellungsgespräch, Lebenslauf, Zeitmanagement und Personality Coaching. Erfolg im Beruf ist auch eine Frage der Vernetzung. Aber wie sehen optimale Netzwerke für den Berufserfolg aus? Sozialwissenschaften untersuchen Sozialkapital als Ergänzung zum Humankapital. Der Sonntagssoziologe weiht Sie in die Geheime Sozialstruktur der Manager ein. Die Netzwerkforscher Granovetter (sie Stärke schwacher Verbindungen) und Burt (Strukturelle Löcher), fanden heraus, was wirklich zählt für den Berufserfolg. Und nun offenbart Euch der Sonntagssoziologe das ganze Geheimnis.

flattr this!

RSS Feed Twitter Facebook Youtube